Nachlese zur Online-Tagung: "Begabungsforschung und Exzellenzförderung in Österreich"

5. Oktober 2020 Forscher/innenPublic ScienceSchule
Tafelzeichnung. Von der Idee über die Umsetzung zu den Ergebnissen
Rund 70 Experinnen und Experten sowie Schülerinnen und Schüler berichteten aus der gelebten Praxis und diskutierten zukünftige Möglichkeiten und Chancen der Exzellenzförderung in Österreich.

Exzellent begabte Schülerinnen und Schüler müssen in ihrer Motivation besonders unterstützt und gefördert werden, damit sie ihre Potentiale voll ausschöpfen und ihre Leistungen erweitern können. Die am 23. September 2020 vom OeAD organisierte Online-Tagung „Über den Lernstoff hinaus – Begabungsforschung und Exzellenzförderung in Österreich" ging der Frage nach, wie optimale individualisierende und differenzierende Förderung begabter Schülerinnen und Schüler aus Sicht der Begabungsforschung aussehen kann bzw. wie diese strategisch seitens des Bildungsressorts im System verankert ist. Die Teilnehmenden strichen dabei v.a. die Bedeutung von Mentorinnen und Mentoren für den Prozess von der (angeborenen) Begabung zur Exzellenz hervor. Praktisch umgesetzt werden diese wichtigen Mentoring-Beziehungen international beispielsweise in den vielfältigen Honours-Programmen für Bachelor-Studierende sowie in Fellowships. Hervorgehoben wurde aber auch, dass bei der Entwicklung zur Exzellenz der Fokus nicht nur auf der kognitiven Förderung liegen soll, sondern emotionale Intelligenz, Persönlichkeitsentwicklung sowie soziales Engagement nicht vernachlässigt werden dürfen.

Darüber hinaus zeigten Blicke in die gelebte Unterrichtspraxis, wie aktuell an österreichischen Schulen begabte Schülerinnen und Schüler gefördert werden: Das Beispiel der „Mostviertler Modellklasse“ am BG Wieselburg stellte dar, wie eine lernförderliche Umgebung durch ein schulautonomes Programm im schulischen Alltag umgesetzt werden kann. Drei Schülerinnen und Schüler, die aktuell im Rahmen der Initiative „Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ neben der Schule an österreichischen Universitäten studieren, berichteten im Rahmen des Vormittags-Panels von ihren Herausforderungen als Schüler/in-Studierende/r, wie z.B. einem sehr starren Schulsystem, das selbstbestimmtes Lernen nur schwer möglich macht oder einer Sonderstellung als (Hoch)begabte/r in der Klasse, die bis zum Mobbing gehen kann. Als fördernd bzw. unterstützend erleben die Schülerinnen und Schüler die Schulleitungen, das Zugehen der Lehrpersonen auf (Hoch)begabte sowie die Kontakte zu anderen Studierenden an den Universitäten. Besonders letzteres kann begabten Jugendlichen das Gefühl von „Heimat“ geben, das sie aufgrund ihrer „Andersartigkeit“ in der Schule dort möglicherweise nicht haben.

Abschließend wurden drei Mentoring-Programme, die aktuell an österreichischen Universitäten laufen, präsentiert. Das Mentoring-Programm „Sprungbrett – Zusammen spielend Talente fördern“ an der Universität Salzburg bildet Lehramtsstudierende als Mentorinnen und Mentoren für begabte Schülerinnen aus. Die anderen beiden Programme „Be first“ an der Universität Klagenfurt sowie „Die Ersten in ihrer Familie, die an die Uni gehen“ an der Universität Graz haben als besondere Zielgruppe Schülerinnen und Schüler, die in ihrer Familie die ersten sind, die an einer Universität studieren (möchten). Diese Mentoring-Programme fördern die First-Generation-Studierenden nicht nur durch spezielle Lehrveranstaltungen zum wissenschaftlichen Schreiben, sondern erklären Jugendlichen, die aus bildungsfernen Schichten kommen, Berufsbilder mit akademischer Ausbildung und unterstützen die Studierenden dabei, eine Balance zwischen ihrer Herkunft und der akademischen Welt zu finden.