Profile der Young Science-Botschafterinnen und -Botschafter

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Dr. Claudia Sojer

  • 4 Besuche pro Jahr (2 Besuche pro Semester), bevorzugt nachmittags
  • Regionen: Tirol, Vorarlberg
  • Anfallende Kosten für die Schule: Ersatz der Fahrtkosten

Forschungsschwerpunkte

  • Handschriftenkunde
  • Bibliotheksgeschichte
  • Fragmentologie

Aktuelle Projekte

Die abgelösten Handschriftenfragmente der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol und ihre digitale Erschließung: Der Begriff "Fragment" bezeichnet buchgeschichtliche Teile von Büchern, Handschriften sowie Drucke, welche durch äußere Einwirkungen nicht mehr vollständig erhalten sind, sondern zweckentfremdet verwendet wurden. Dies fast durchwegs in Verbindung mit der Einbandgestaltung. Die Fragmente stehen also in engem Zusammenhang mit Büchern, mit deren Inhalt sie nichts zu tun haben. Schon im 19. Jahrhundert begann man, textlich wichtige oder umfangreiche Fragmente aus den Büchern abzulösen und in eigenen Fragmentsammlungen zu vereinen. Daneben aber blieben ebenfalls in fast allen Bibliotheken Fragmente in ihrer ursprünglichen Lage im Buch. Diese Fragmente in situ (also in den Handschriften und Drucken verblieben) enthalten oft nicht weniger wichtige Texte als die abgelösten, wurden jedoch aus konservatorischen Gründen am Überlieferungsplatz belassen. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Buchfragmenten, die Fragmentologie, gewinnt seit der Einrichtung des digitalen Forschungslabors Fragmentarium im Jahr 2015 zunehmend an Relevanz. An der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol in Innsbruck (ULB Tirol) wurden von 2018–2021 233 abgelöste handschriftliche Fragmente wissenschaftlich bearbeitet, die laut aktuellen Hochrechnungen aber nicht mehr als 5 % des in Tirol vorhandenen Bestandes umfassen. Der chronologische Rahmen der Fragmente umfasst die Zeitspanne vom 8. bis zum 17. Jahrhundert.

Projektlink

Fragmentarium

Publikation

Hidden and Uncatalogued Fragment Collections: The Abbey of Stams (O.Cist.):  Private Fragmentsammlungen sind oft nicht katalogisiert und daher für die Forschung nicht zugänglich. Als Privatsammlungen unterliegen sie wesentlich weniger Vorschriften hinsichtlich ihrer Erhaltung und Katalogisierung, erhalten selten öffentliche finanzielle Unterstützung und finden weniger Aufmerksamkeit bei Wissenschaftler/innen und der breiten Öffentlichkeit. Der Zugang zu diesen Kulturschätzen hängt von der individuellen Einstellung des Sammlers, Abtes, Bibliothekars oder Archivars ab. 1973 entsandte die Hill Monastic Manuscript Library (HMML, heute Hill Museum and Manuscript Library) eine Mission in das Zisterzienserkloster Stams (Tirol) und mikroverfilmte dessen Handschriftensammlung. Die HMML-Mission ließ jedoch die Fragmentsammlung, darunter Hunderte von abgelösten Fragmenten, unberücksichtigt. Uninventarisiert sind diese Fragmente nicht nur für die Forschung inexistent, sondern laufen auch Gefahr, verloren zu gehen, enteignet oder zerstört zu werden oder einfach durch den nagenden Zahn der Zeit konservatorisch zu verkommen. Im Rahmen dieses Projekts soll eine erste Bestandsaufnahme der Fragmente vorgenommen werden, wobei sie nach paläographischen, sprachlichen und inhaltlichen Kriterien geordnet werden sollen. In der ersten Projektphase wurden 262 Fragmente mit Signatur versehen, von denen einige bis zu 80 Stück umfassen. Die Fragmente wurden in säurefreiem, alkalisch gepuffertem Archivmaterial sachgerecht gebettet. Gemeinsam mit der Firma Watzek Photografie aus Hall in Tirol wurden im Januar 2022 professionelle Digitalisierungsarbeiten in den Klosterräumen durchgeführt. Die daraus resultierenden hochauflösenden Digitalisate werden auf Fragmentarium (www.fragmentarium.ms)  in zwei Sequenzen angeboten: Zunächst wird jedes Bild als klassisches Bild zur Verfügung gestellt. Das zweite Bild enthält ein farbiges, digitales, millimetergenaues Raster in 5-, 10- und bei großen Fragmenten auch 100-Millimeter-Abständen. Auf diese Weise kann sich jede Nutzerin bzw. jeder Nutzer von Fragmentarium einen millimetergenauen Eindruck von jedem Fragment verschaffen. Die Bilder der Fragmente werden zusammen mit den zusammenfassenden Informationen Ende 2022 auf Fragmentarium veröffentlicht. Können in Einzelfällen zusätzliche Informationen zu den Trägerbänden, zur Überlieferungsgeschichte oder zur Literatur gewonnen werden, werden diese zusätzlichen Informationen zu den jeweiligen Fragmenten in der Detailbeschreibung auf Fragmentarium angegeben.

Rekonstruktionen: Die Stamser Fragmente bieten hervorragende Möglichkeiten, verstreute Handschriften zu rekonstruieren. Zum Beispiel befinden sich heute im Stiftsarchiv sieben Fragmente der Diemut-Handschrift (1095–1130 n. Chr.), die an der Wende vom elften zum zwölften Jahrhundert geschrieben wurde. Diemut war eine Nonne im bayerischen Kloster Wessobrunn, damals ein Doppelkloster, in dem sowohl männliche als auch weibliche Ordensleute lebten. Im ersten Viertel des vierzehnten Jahrhunderts kam die Handschrift nach Stams, wo die Fragmente erhalten sind. Neben der Veröffentlichung der einzelnen Fragmente wird im Rahmen des Projekts auch eine Rekonstruktion der Diemut-Anthologie der christlichen Gelehrten und lateinischen Kirchenväter vorgeschlagen. Es ist davon auszugehen, dass viele der Stams-Fragmente aus denselben Codices stammen wie die Fragmente in der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol (ULB Tirol), an deren Fragmenten zuvor rund drei Jahren gearbeitet wurde (s. Projekt oben). Die Untersuchung der Fragmente wird daher zeigen, wie die Fragmente aus Stams dazu beitragen, das Bild der europäischen Handschriften zu vervollständigen. Dieses Projekt wird sowohl die Aufmerksamkeit auf die riesigen, nicht dokumentierten Bestände an Handschriftenmaterial in nicht öffentlichen Sammlungen lenken als auch ein Modell für die Erhaltung und Aufwertung unseres gemeinsamen kulturellen Erbes vorschlagen.

Projektlink 1

Projektlink 2

Auszug aus dem wissenschaftlichen Werdegang

  • Bakkalaureat und Magisterium an der Facoltà di Conservazione dei Beni Culturali der Universität Bologna (2007 und 2009).

  • European-PhD-Doktoratsstudium an der Facoltà di Lettere e Filosofia der Universität „Tor Vergata“ in Rom (2014).

  • Verschiedene Projekte und Forschungsaufenthalte in Bologna, Mainz, Pavia, Rom, Washington D.C. USA, Wien.

  • 2015–2021 in unterschiedlichen Projekten und Positionen an der Universität Innsbruck.

  • Seit Juni 2021 Fragmentarium-Research-Fellow der Zeno-Karl-Schindler Foundation mit dem Projekt: Hidden and Uncatalogued Fragment Collections: The Abbey of Stams (OCist) (ZKS-Foundation Genf; Schweizerischer Nationalfonds (SNF) und Fragmentarium - Université de Fribourg).

Organisation

Zeno Karl Schindler-Foundation Genf und Fragmentarium - Université de Fribourg

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Wissenschaftsbereich

  • GEISTESWISSENSCHAFTEN, KUNST UND KULTUR