Profile der Young Science-Botschafterinnen und -Botschafter

Mag. Dr. Ursula A. Schneider

  • Besuche pro Jahr: 4
  • Regionen: Tirol, Vorarlberg, Salzburg
  • Alle Besuche gemeinsam mit Annette Steinsiek
  • Anfallende Kosten für die Schule
    Großraum Innsbruck: keine.
    Tirol außerhalb Großraum Innsbruck, Vorarlberg, Salzburg: Übernahme von Fahrtkosten (PKW)


Forschungsschwerpunkte

  • Österreichische Literatur (v. a. 20. Jahrhundert)
  • Editionswissenschaft
  • Biographieforschung
  • Archivpraxis
  • Gender Studies


Aktuelle Projekte

Nachlassordnung: Damit ein Archiv überhaupt genutzt werden kann, müssen die Bestände, die erworben werden, alle nach bestimmten Regeln geordnet werden – und zwar bis auf den letzten Zettel! Im Literaturarchiv haben wir es mit Nachlässen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, aber auch von Institutionen wie Verlagen oder Bühnen, zu tun. Diese Bestände sind die Grundlagen für alle Editionen, Biographien, Dokumentationen oder Literaturgeschichten.
In den Beständen enthalten sind literarische Werke wie Lyrik, Prosa und Drama. Meist handelt es sich hier um Manuskripte. Korrespondenzen wurden früher ja vor allem mit der Post versandt – nur wenn sich jemand dazu entschloss, die Stücke zu vervielfältigen (Abschreiben von Hand oder Durchschlag bei Schreibmaschine), liegen die Briefe der nachlassenden Person vor. Lebensdokumente sind etwa Geburts- und Heiratsurkunden, Schulzeugnisse, Pässe, Terminkalender, vor allem auch Fotos. Beim Erschließen eines Nachlasses muss man die alten Schriften lesen können. Es begegnet eine andere Welt: Postsorten, die es nicht mehr gibt (wie Telegramme), alte Vervielfältigungstechniken (Hektographie) oder alte audiovisuelle Formate (Glasplattenfotos, Magnetophonbänder, Videokassetten). Einer der größten Feinde des Archivs ist der Schimmel, deshalb gehören auch konservatorische Maßnahmen zum Arbeitsgebiet der Archivarin. Mit dem Einsatz des Computers auch im literarischen Bereich muss das Archiv neue Umgangsformen entwickeln.

Poetik – Religion – Politik. Die Lyrik Christine Bustas nach 1945:
Christine Busta ist eine der angesehensten Lyrikerinnen der österreichischen Literatur der Nachkriegszeit. In ihrer Lyrik verwendet sie vielfach christliche Motive, weshalb sie häufig als christliche Dichterin apostrophiert wurde. Auch ihre Auseinandersetzung mit dem Thema „Schuld“ wurde als allgemeine christliche Auseinandersetzung interpretiert. Aber mit ihrem Nachlass konnte gezeigt werden, dass ihre Lyrik als Erinnerungs- und Bewältigungsarbeit vor allem in Bezug auf die Zeit des Nationalsozialismus begriffen werden kann. Damit gewinnt das Werk Bustas eine neue Virulenz: In Werk und Leben von Christine Busta ist eine symptomatische Verflechtung von Poetik, Religion und Politik auszumachen.
In dem abgeschlossenen Forschungsprojekt wurde aufgearbeitet, dass und wie sich Busta persönlich und mit ihrer Dichtung den jeweiligen politischen Rahmenbedingungen anpasste. Anhand von Wortfelduntersuchungen wurde deutlich, dass Busta die Thematik von Schuld und Richten erst nach ihrer Entnazifizierung 1948 aufgriff. Busta rang in ihrer Dichtung darum, die (eigene) Beteiligung am NS-System einzuschätzen, und die Fragen nach Schuld und nach der Möglichkeit von Vergebung bleiben zeitlebens virulent. Das Projekt hofft die Tabuisierung gebrochen zu haben, die sich um die Verwendung christlicher Motivik in der Literatur gebildet hat. In der Forschung hat man bisher auf das appellative Moment von Bustas Lyrik hingewiesen, auf die humanistische Absicht. Ohne das in Frage zu stellen, kann jetzt hinzugefügt werden, dass - dies wäre durchaus ein Grund für die ungeheure Popularität der Autorin in den 1950er und 1960er Jahren - diese Art der Dichtung, die erst seit dem Projekt als Dichtung einer „Mitläuferin“ zu lesen ist, auch als Handreichung zur Exkulpation rezipiert werden konnte. Damit wäre der Literaturgeschichtsschreibung ein Aspekt hinzugefügt, der gesellschaftspolitische Relevanz hat und im Hinblick auf andere Autor/innen ebenso zu berücksichtigen wäre.


Auszug aus dem wissenschaftlichen Werdegang

  • Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Deutsche Philologie 1985-1988 in Wien, ab 1988 in Innsbruck. Magistra der Philosophie 1990.
  • Doktoratsstudium der Germanistik an der Universität Innsbruck, Doktorin der Philosophie 1995.
  • Seit 1990 wissenschaftliche Mitarbeiterin in Drittmittelprojekten am Forschungsinstitut Brenner-Archiv.
  • Vier selbst beantragte Projekte beim Österreichischen Wissenschaftsfonds (gemeinsam mit Annette Steinsiek)
  • Seit 2012 Senior Scientist
  • 2013 bis 2014 Mitarbeit im Advisory Board des Brenner-Archivs. Sprecherin der Forschungsgruppe "Auto_Biographie - De_Rekonstruktionen" der Interfakultären Forschungsplattform Geschlechterforschung der Universität Innsbruck.
  • Im Forschungsinstitut Brenner-Archiv verantwortlich für das Digitale Repositorium und für die Digitalisierung der AV-Medien.
  • Editionen von Prosa Christine Lavants und von Dialektlyrik Christine Bustas
  • Online-Plattform „Busta-Search“. Katalog der historischen Patient/innen-Bibliothek der „Landes-Irrenanstalt“ in Hall. (alles gemeinsam mit Annette Steinsiek)
  • Zahlreiche Vorträge im In- und Ausland, wie in Deutschland, Großbritannien, Italien, Kroatien, Rumänien, Russland, Slowenien.


Weitere Informationen zur Vorbereitung von Schule

www.uibk.ac.at/brenner-archiv/archiv
www.uibk.ac.at/brenner-archiv/projekte/busta

Ursula Schneider

Organisation

Universität Innsbruck

Position

Forschungsinstitut Brenner-Archiv

Einsatzbereiche

  • Salzburg
  • Tirol
  • Vorarlberg

Wissenschaftsbereiche

  • BIOGRAFIEN UND PERSÖNLICHKEITEN
  • GEISTESWISSENSCHAFTEN, KUNST UND KULTUR