Altorientalische Elemente in der griechischen Historiographie: Herodot und Ktesias

Kurzbeschreibung des Forschungsprojekts

Die antike Historiographie (Geschichtsschreibung) wird allgemein als Produkt der „abendländischen Kultur“ begriffen. In diesem Zusammenhang spielen die emotional geführten Debatten zweier Forschungsfelder eine wesentliche Rolle. Das erste Gebiet beschäftigt sich mit den Kontakten zwischen den oft getrennt gedachten Räumen der „griechischen Antike“ und dem „Vorderen Orient“. Dabei werden die „Einflüsse“ aus dem Orient resp. die „eigenständige Entwicklung“ der „griechischen Kultur“ kontrovers diskutiert. Das zweite Feld beschäftigt sich mit der Charakterisierung der Gattung Historiographie und der Frage nach der Glaubwürdigkeit der Autoren vor dem in der Forschung postulierten Wahrheitsanspruch historiographischer Schriften.

Das OeNB-Projekt (Nr. 15853) verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele:

* Ein Ziel ist ein besseres Verständnis von Texten, die als historiographische Werke klassifiziert werden. Dabei wird Historiographie als literarische Gattung mit dem damit verbundenen Wahrheitsanspruch und in Hinblick auf die Darstellung von Ereignisgeschichte problematisiert.

* Ein zweites Ziel betrifft die Einschätzung altorientalischer Elemente in historiographischen Texten. Hier stehen die Fragen nach der Art und Weise der Verarbeitung von altorientalischen Elementen im Vordergrund.

Das Projekt konzentriert sich zunächst auf die Untersuchung der "Historien" Herodots aus Halikarnassos (5. Jh. v.Chr.) und der "Persika" des Ktesias aus Knidos (4. Jh. v.Chr.). Mit diesen beiden Werken stehen zwei Autoren im Fokus, die eine Geschichte des Vorderen Orients (insbes. über die Zeit der Perser) erzählten, und deren Werke bereits in der Antike hinsichtlich ihres historischen Gehalts kontrovers diskutiert wurden. In der modernen Geschichtswissenschaft hingegen erfahren sie eine ganz unterschiedliche Einschätzung. Herodot gilt seit Cicero als pater historiae und im Allgemeinen als zuverlässiger Erforscher vergangener Ereignisse, während für das Werk des Ktesias’ die Zuordnung zur Gattung Historiographie diskutiert wird. Die Werke beider Autoren enthalten Elemente (wie Namen, aber auch komplexere Erzählstrukturen), die Parallelen in Texten aus dem Vorderen Orient aufweisen.

Übereinstimmungen betreffen allerdings nicht nur „historische Sachverhalte“, die erforscht werden konnten, sondern auch Darstellungen, die keine „realen Hintergründe“ aufweisen (müssen) und Schwierigkeiten bei der Interpretation der Textstellen bereiten. Dazu wird in einem ersten Schritt der Kontext dieser Elemente im altorientalischen Quellencorpus (z.B. assyrische Königsinschriften) genauer analysiert. In einem zweiten liegt das Augenmerk auf deren Rezeption bei Herodot und Ktesias. Dadurch soll insgesamt ein besseres Verständnis antiker historiographischer Schriften erzielt werden.

Themenanregungen für VWA und Diplomarbeit

  • Antike Geschichtsschreibung
  • Orient-Darstellungen in der altgriechischen Literatur
  • Fakten und Fiktion in der Darstellung der Vergangenheit

Einstiegsliteratur

  • Reinhold Bichler – Robert Rollinger, Herodot, (Studienbücher Antike Bd. 3), Hildesheim – Zürich – New York ³2011
  • Beat Näf, Antike Geschichtsschreibung. Form – Leistung – Wirkung, Stuttgart 2010

Spezialisierung

Besonders für AHS geeignet
Projekt mit zusätzlichen Unterstützungsangeboten
Für Spezialist/innen

Forschungsfeld: Antikes Griechenland und der Orient

Schlüsselwörter: Geschichtsschreibung, Vergangenheitskonzepte, Orientalismus, Hellas, Antike, Griechenland

Übermittler der Themenanregung:
Universität Innsbruck

Bei diesem Projekt bietet dir das Forschungsteam folgende weitere Unterstützung an:
Beratung, Literaturempfehlungen

Über Kontaktaufnahme freut sich:

Dr. Irene Madreiter