Affektive Arbeit in der Arbeitsvermittlung. Transformationen öffentlicher Dienstleistungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz

Kurzbeschreibung des Forschungsprojekts

Arbeitsvermittlung ist eine zunehmend schwierige Aufgabe – angesiedelt im Spannungsfeld von schrumpfenden Arbeitsmärkten, steigender Erwerbslosigkeit und des Umbaus von Wohlfahrtsstaaten. Zudem wird staatliche Bürokratie zunehmend in Richtung Dienstleistung und Service verändert. Wie kann in diesem Spannungfeld Arbeitsberatung und Arbeitsvermittlung funktionieren? Mit welchen Aufgaben und Anforderungen sind Arbeitsvermittler und Arbeitsvermittlerinnen in der Interaktion mit Arbeitsuchenden konfrontiert? Verändert sich durch neue Anforderungen der staatliche Verwaltungsapparat und die in ihm Tätigen?

Das Forschungsprojekt „Affektive Arbeit in der Arbeitsvermittlung“ hat zum Ziel, die Neuausrichtung der Sozialpolitik sowie die Veränderung der staatlichen Bürokratie in eine öffentliche Dienstleistung seit den 1990er-Jahren zu analysieren: Die Neuausrichtung der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik erfolgt unter dem Schlagwort der „Aktivierung“. „Aktiviert“ werden sollen die Arbeitsuchenden – sie sollen sich selbstständig und aktiv um eine neue Arbeit bemühen – doch auch die Arbeitsvermittler und -vermittlerinnen sollen aktiviert werden: Indem sie gute und effiziente Dienstleistungen für die Bürger/innen und die Allgemeinheit erbringen. Beide Aspekte machen aus der einst als rational verstandenen staatlichen Arbeitsvermittlung eine auch emotionale Tätigkeit.

Das Forschungsprojekt möchte die Auswirkungen dieser neuen Steuerungsinstrumente auf die Arbeitsbedingungen der öffentlich Beschäftigten in der Arbeitsvermittllung sowie auf deren Interaktionen mit den KlientInnen untersuchen. Die Untersuchung wird insbesondere die affektive bzw. emotionale Arbeit der ArbeitsvermittlerInnen in den Blick nehmen – also z.B. jene Interaktionen, in denen die Arbeitsvermittler/innen aktiv ihre Gefühle zur Motivation der Arbeitssuchenden einsetzen, in denen sie Emotionen unterdrücken oder in denen sie mit den Emotionen der Arbeitsuchenden, z.B. Enttäuschung, umgehen müssen.

Das Forschungsprojekt vermutet, dass – wie im Dienstleistungsbereich der Privatwirtschaft – auch in den Organisationen der Arbeitsvermittlung Gefühle und Affekte „vermarktlicht“ werden, dass sie also nicht nur der besseren Kommunikation, sondern auch der der Effizienzsteigerung der Dienstleistung dienen sollen und gewinnbringend eingesetzt werden müssen. Die Arbeitsvermittler/innen sind nicht mehr nur „Bürokraten“, sondern sie müssen eine Dienstleistung gut „verkaufen“. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf das „Arbeiten“ des aktivierenden Staates ziehen. Der Ländervergleich dreier Wohlfahrtstaaten (A, D, CH) soll herausarbeiten, ob Unterschiede oder Gemeinsamkeiten bei der Transformation von Staatlichkeit feststellbar sind.

Themenanregung für VWA und Diplomarbeit

  • Gefühle in der Arbeitswelt
  • Gefühle in Organisationen (z.B. Schule, Arbeitsamt/AMS)
  • Veränderung des Sozialstaats
  • Staat, Rationalität, Emotion

Einstiegsliteratur

  • Affektive Interaktionsarbeit in der öffentlichen Arbeitsvermittlung, Präsentation bei der 3sR-Konferenz in München (27.-28. März 2014) Link
  • Affektive Interaktionsarbeit in der öffentlichen Arbeitsvermittlung, Abstract für die zweite 3sresearch-Konferenz: Tertiarisierung der Gesellschaft Link

Spezialisierung

Für Spezialist/innen
Projekt mit internationalen Partnern

Forschungsfeld: Politik, Arbeit, Arbeitsvermittlung, Gefühle und Emotionen

Schlüsselwörter: AMS, Arbeitsvermittlung, Staat, Erwerb, Dienstleister

Übermittler der Themenanregung:
Universität Wien

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